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Interview mit Mari, Comiczeichnerin

Mari ist Comiczeichnerin. Im Comic "Sabine hat Krebs" verarbeitet Mari die Brustkrebserkrankung ihrer engsten Freundln.

Im richtigen Leben heisst Sabine Mimi. Mimi ist letztes Jahr als junge Frau an Brustkrebs erkrankt. Mittlerweile hat sie das erste Therapiejahr hinter sich. 

Die BKL hat die Vervielfältigung des Comics finanziert. Es war uns eine Freude und Ehre Mari zu unterstützen. Hier erfährt ihr mehr über die Entstehung des Comics:

BKL: Mari, Wie war es für Sie dies alles als Freundin duchzumachen?

Mari: Die Mitteilung hat mich getroffen wie ein Hammerschlag. Ich habe gezittert und geweint. Als ob plötzlich der scheinbar sichere Boden unter einem wegbricht. Nach dem ersten Schock habe ich mich gefragt, wie es wohl Mimi mit der Diagnose geht – sie hatte sicherlich sehr Angst!

Ich hatte sofort das Bedürfnis, ihr beizustehen und das zusammen zu tragen. Ich wollte ihr eine Stütze sein. Ich wollte stark für sie sein, fühlte mich aber unendlich schwach und hilflos. Wir hatten das Erstdiagnosegespräch noch vor uns, wir wussten aber beide, dass sich etwas sehr Ungutes anbahnte. Ich hatte dann ein extrem hilfreiches Gespräch mit dem Seelsorger Hubert Kössler vom Inselspital Bern. Das Gespräch hat mir die Kraft gebracht, die ich benötigte.

Mein Ziel war so viel wie möglich Informationen aufzuschreiben, damit wir wussten, mit was wir es da zu tun hatten. Damit so viel wie möglich Unklarheiten beseitigt werden können. Information hilft!

BKL: Sie zeichnen schon immer Comics. In wie fern hat das Zeichnen Ihnen geholfen mit der Situation fertig zu werden?

Mari: Mir persönlich hilft zeichnen immer - ich weiss, dass es mir bessergeht, wenn ich eine Situation in einem Comic darstellen kann. Normalerweise zeichne ich über Beziehungsprobleme oder peinliche soziale Situationen.  Mit Zeichnen kann man schwierige Situationen relativieren – irgendwann kann man sogar drüber lachen. Es hat auch im Umgang mit Krebs geholfen.

BKL: Sie waren mit «Sabine hat Krebs» am Hirschi Comicfest in Basel. Wie wichtig ist es für Sie, dass das Comic unter die Leute kommt?
Mari: Ich verfolge kein konkretes Ziel, freue mich aber über positive Feedbacks und freue mich noch mehr, wenn ich damit jemand zum Lachen bringen kann. Ich weiss nicht, wie anderen Betroffene auf den Comic reagieren – erkennt man sich irgendwo wieder? Kann man drüber lachen?  Ich hoffe schon. Ich möchte aber sicher Leute damit erreichen, die daran Freude haben.

BKL: Die Stories von Sabine sind voller schwarzer Humor, glauben Sie dass dieser Humor helfen kann eine lebensbedrohliche Krankheit zu bewältigen?
Mari: Nicht jeder mag schwarzer Humor und nicht jeder ist sarkastisch. Ich denke aber, Humor allgemein hilft immer.  Wir konnten trotz aller Schrecken oft über Situationen lachen. In so einer lebensbedrohlichen Situation passieren einfach sehr absurde Dinge, die man wohl am besten sarkastisch verarbeiten kann – weil sie eben so absurd sind.

BKL: Obwohl Sabine schnell und gut durch die Therapien kam und es den Umständen entsprechend gut ging, erlebt Sabine im Comic nicht viel Gutes im Gesundheitssystem? Entspricht dies den realen Erfahrungen von Sabine? Sie arbeiten selber in einem Spital im Supportbereich, hat sich durch die Erfahrungen von Sabine etwas für Sie geändert am Arbeitsplatz?
Mari: Ja es handelt sich um reale Erlebnisse, natürlich etwas überspitzt dargestellt durch mich. Aber ich denke, als PatientIn ist man hoch vulnerabel in so einer Situation. Da ist man super sensibel und nimmt alles höchst aufmerksam auf. Man befindet sich in einer lebensbedrohlichen Situation und es irritiert dann einfach, wenn einem eine Ärztin von ihren privaten Problemen mit der Heizung erzählt.
Wenn man im Spital arbeitet existiert die Gefahr, dass man in eine Alltagsroutine verfällt und nicht immer zu 100% bei der Sache ist.
Mit „mit 100% bei der Sache sein“ meine ich, dass man sich jederzeit bewusst ist, dass der Patient oder die Patientin immer im Fokus steht und dass man deren Bedürfnisse (auch zwischenmenschliche) ernst nimmt.

BKL: Möchten Sie anderen Angehörigen und Freunden von Krebspatienten etwas mit auf den Weg geben?
Auf sich selber hören – in sich hineinhören. Seine eigenen Ressourcen aktivieren, damit man die positive Energie an die Betroffenen weitergeben kann. Sich bewusst sein, dass man nicht alle möglichen Rollen gleichzeitig einnehmen kann. Lachen. Über Ängste sprechen.  Negative Emotionen visualisieren. Seine eigenen Emotionen ernst nehmen und zulassen. Bei Zweifel Rat suchen bei Fachpersonen.

BKL: Danke vielmals für das Interview und alles Gute für Sie und Mimi!