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Wenn Farbe etwas ins Fliessen bringt

16. September 2026

Was Künstler und Kunstvermittler Franz Brülhart in seinem Workshop «Malen mit Erwachsenen» schafft, ist kein Kurs im klassischen Sinn, sondern ein Raum, in dem für einen halben Tag wieder der ganze Mensch im Mittelpunkt steht. Ein Gespräch über die Energie der Farbe, über Freiheit, Humor und darüber, warum es keine Rolle spielt, ob man malen kann.

Franz Brülhart

Welche Kraft kann kreatives Gestalten im Umgang mit einer Krebserkrankung entfalten – für Betroffene ebenso wie für nahestehende Menschen?
Für mich liegt die Kraft zunächst darin, dass für einen Moment etwas anderes in den Vordergrund treten darf als die Krankheit. Meine Workshops sind keine Kurse im klassischen Sinn. Ich führe die Teilnehmenden Schritt für Schritt durch malerische Prozesse, durch unterschiedliche Methoden und Materialien. Dabei ist alles da – Freude und Frustration, Neugier und manchmal auch Zweifel.

Wichtig ist mir, dass wir die Krankheit nicht «wegmalen». Sie darf da sein, muss aber nicht alles bestimmen. Beim gemeinsamen Gestalten begegnen sich die Menschen als neugierige, spielende, schöpferische Maler:innen – Betroffene wie Angehörige. Die Kunst öffnet einen Raum, in dem nicht die Krankheit im Mittelpunkt steht, sondern wieder der ganze Mensch. Und in der Begegnung möglich wird – manchmal ganz ohne Worte.

Und dann ist da die Farbe. Ob mit Pinsel, Spachtel, Roller oder mit den Fingern: Das Berühren von Farbe bringt etwas ins Fliessen – über das Tun, die Sinne und den Körper. Ich möchte einen Raum schaffen, in dem man nichts leisten muss, sondern ausprobieren, scheitern und neu beginnen darf. Denn neben der Krankheit ist weiterhin das ganze Leben da – mit seiner Energie, seiner Neugier und seiner Lust am Spielen.

Viele Menschen sagen von sich: «Ich kann nicht malen.» Warum spielt das in Ihrem Kurs keine Rolle?
Es erstaunt mich immer wieder, dass man beim Malen von Talent spricht. Wir singen, spielen Fussball, jassen – ganz egal, wie gut wir es können. Es macht Spass, es entspannt uns, es tut uns gut. Warum sollte das beim Malen anders sein? Farbe hat eine unglaubliche Energie, die auf uns wirkt, sobald wir uns auf sie einlassen.

Der individuelle Umgang mit Farbe bleibt immer etwas sehr Persönliches. Und das ist wunderbar: Wir alle bringen die Sinnlichkeit und das Empfinden mit, um malerisch arbeiten zu können. Es geht nicht darum, ein Kunstwerk schaffen zu müssen, sondern darum, sich auf den Prozess einzulassen, sich darin zu verlieren und zu erleben, was dabei in Bewegung kommt.

«Die Krankheit darf da sein –
 aber sie muss nicht alles bestimmen.»
 

Ihr Kurs ist seit vielen Jahren Teil unseres Angebots und sehr beliebt. Was ist Ihnen in Ihrem Kurs besonders wichtig – und was motiviert Sie persönlich, ihn immer wieder zu leiten?
Bei mir dreht sich beruflich wie privat fast alles um Menschen und um Farbe – in meiner Kunst als Porträtist ebenso wie in der Vermittlung. Dabei sind mir Respekt und Sorgfalt wichtig: Ich nehme die Malerei ernst, bei mir wird nicht gebastelt. Manchmal fordere ich die Teilnehmenden sogar bewusst ein wenig heraus, weil ich es spannend finde, Menschen aus ihrer Komfortzone zu locken. Umso befriedigender ist es, wenn sich im Verlauf des Prozesses vieles wieder auflöst und plötzlich etwas möglich wird, was nicht zu erwarten war. Genauso wichtig sind mir Freude und Humor: Ich bin hemdsärmelig unterwegs, manchmal etwas frech und provozierend aber hoffentlich immer unterstützend. Und ich bringe eine grosse malerische Erfahrung mit, so dass ich aus fast jeder Bredouille einen Ausweg finde.

In meinen intensiven Zeiten in Armenien habe ich lernen dürfen, dass meine eigenen Ressourcen viel grösser sind, als ich dachte. Da ist unglaublich viel Liebe und Leidenschaft. Dass ich mit meiner Malerei so viele unterschiedliche Menschen erreichen darf, empfinde ich als grosses Privileg. Ihnen für einen kurzen Moment zu begegnen und ihnen Freude zu schenken – das ist wohl einer der Gründe, warum ich diesen Kurs nach all den Jahren noch immer so gerne mache.

Was wünschen Sie sich, dass die Teilnehmenden nach einem halben Tag im Atelier mit nach Hause nehmen – ausser ihrem Kunstwerk?
Ein Lachen. Etwas Heiterkeit. Eine schöne Erinnerung – und vielleicht schon die Vorfreude aufs nächste Mal. Mehr muss es manchmal gar nicht sein.
 



Franz Brülhart gibt Einblick in die wunderbare und erfrischende Welt der Farben und Formen. Das Angebot richtet sich an kunstinteressierte Krebsbetroffene und Nahestehende, die gerne etwas kreieren und gestalten möchten. Der nächste Workshop findet am 14. November 2026 statt: 

Leitung: Franz Brülhart, Künstler und Kunstvermittler
Datum: Samstag, 14. November 2026
Zeit: 13.30–16.30 Uhr 
Ort: Zentrum Paul Klee, Monument im Fruchtland 3, 3006 Bern 
Kosten: CHF 20 für Mitglieder, CHF 30 für Nicht-Mitglieder
Anmeldung: Bis Freitag, 6. November 2026 via Anmeldeformular